Interview
01
Über Julia
02
Weg & Werdegang
03
Prägende Momente
04
Überraschungen
05
Motivation
06
Meilensteine
07
Wirksamkeit
08
Veränderung
09
Gleichstellung
10
Rat an andere Frauen
VORBILD
Dr. Julia Hodapp
Teamleitung Verwaltungsdigitalisierung an der TH Köln
- Köln
- 🏛️ Hochschule / Öffentlicher Sektor
- Digitalisierung & Projektmanagement

" Du möchtest auch Teil unserer Portrait-Reihe werden?
“ Ich möchte Dinge wirklich verstehen und dann verändern.
Über Julia
In dieser Ausgabe von Staats.FRAUEN sprechen wir mit Dr. Julia Hodapp, Teamleiterin für Verwaltungsdigitalisierung an der TH Köln und Expertin für eGovernment, OZG und modernes Projektmanagement.
Julia verbindet wissenschaftliche Tiefe mit praktischer Umsetzungskraft. Ihr Weg zeigt, wie Verwaltung neu gedacht werden kann: nicht nur technisch, sondern strukturell und kulturell.
Ihr Ansatz: Systeme verstehen, hinterfragen und nachhaltig verändern.
Das vollständige Interview
01
Wer bist du und was machst du im öffentlichen Sektor?
07
Was war bisher dein größter Meilenstein?
Ich bin Dr. Julia Hodapp und leite an der TH Köln ein Team zur Digitalisierung der Verwaltung. Gleichzeitig bin ich eGovernment- und Onlinezugangsgesetz-Koordinatorin und berate innerhalb der Hochschule zu Anforderungen aus dem eGovG, OZG und weiteren Vorgaben der Verwaltungsdigitalisierung.
Mein Team verantwortet unter anderem die Einführung der eAkte, die Implementierung von SAP S/4 HANA, den Aufbau eines hochschulweiten Geschäftsprozessmanagements sowie die methodische Unterstützung im Projekt- und Prozessmanagement. Dabei ist mir besonders wichtig, unser Team agil aufzustellen und eine breite Methodenkompetenz aufzubauen.
Ursprünglich bin ich promovierte Historikerin. Meine Doktorarbeit habe ich über Politik und Religion im 16. Jahrhundert geschrieben. In den öffentlichen Sektor bin ich über eine Stelle im Wissenschaftsmanagement an der Universität Tübingen gekommen. Die Projekte wurden mit der Zeit größer, ich habe mich im Projektmanagement weiterentwickelt und ein immer besseres Verständnis für Verwaltungsstrukturen, Prozesse und Datenmanagement aufgebaut.
Seit Anfang 2023 bin ich an der TH Köln und beschäftige mich nun intensiv mit „echter“ Verwaltungsdigitalisierung im Kontext von eGovG und OZG. Zusätzlich bin ich Lehrbeauftragte, unter anderem an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung im Bereich agiles Projektmanagement.
Ich bin transdisziplinär ausgebildet und schätze es sehr, Ansätze aus unterschiedlichen Disziplinen zu verbinden – von der Geschichtswissenschaft über Systemtheorie bis hin zur Psychologie. Ich habe den Anspruch, Dinge wirklich zu verstehen und gehe gerne in den Deep Dive.
Es gibt mehrere.
Meine Promotion mit Forschungsaufenthalten in Wien und Rom war ein prägender Abschnitt. Besonders die Arbeit im vatikanischen Archiv war eine einzigartige Erfahrung.
Ein weiterer Meilenstein war die Einführung des digitalen Doktorand:innenmanagements „Docfile“ an der Universität zu Köln. Das Projekt galt als schwierig, wurde mehrfach abgelehnt – und konnte schließlich erfolgreich umgesetzt werden. Heute gehört die Universität in diesem Bereich zu den führenden Einrichtungen.
02
Gab es einen Schlüsselmoment oder Menschen, die dich geprägt haben?
08
Was bedeutet für dich „wirksam sein“ im öffentlichen Dienst?
Ich hatte das Glück, viele inspirierende und fördernde Menschen auf meinem Weg kennenzulernen.
Besonders geprägt hat mich Professor Anton Schindling, der meine Doktorarbeit als Zweitgutachter begleitet hat. Mit ihm habe ich meine Begeisterung für die Geschichte der Frühen Neuzeit geteilt. Diese Zeit ist übrigens auch deshalb spannend, weil hier die Grundlagen unseres modernen Staatsverständnisses gelegt wurden – mit der Entwicklung von Souveränität und bürokratischen Strukturen.
Ein weiterer wichtiger Einfluss war Professor Ansgar Büschges. Mit ihm habe ich an der Universität zu Köln das digitale Doktorand:innenmanagement eingeführt. Von ihm habe ich viel über Wissenschaftsmanagement und strategische Hochschulpolitik gelernt.
Wirksamkeit bedeutet für mich, konkrete Verbesserungen für Nutzer:innen zu schaffen und gleichzeitig Prozesse so zu gestalten, dass sie langfristig strategisch genutzt werden können.
03
Was hat dich im öffentlichen Sektor überrascht?
09
Wo hast du konkret Veränderung angestoßen oder erlebt (auch im Kleinen)?
Mich überrascht immer wieder, wie viele hochmotivierte Menschen es im öffentlichen Sektor gibt, die wirklich etwas verändern wollen und gleichzeitig durch bestehende Strukturen ausgebremst werden.
Was mich ebenfalls überrascht hat, ist der Grad an Unorganisiertheit und wie wenig digital viele Prozesse noch sind. Unterschriftenmappen und das Stempeln von Post gehören teilweise immer noch zum Alltag.
Gleichzeitig schätze ich den starken Zusammenhalt unter Kolleg:innen sehr.
Ein kleines Beispiel ist die Einführung von ELMO-Karten in der Hochschulverwaltung. Sie helfen dabei, Meetings effizienter zu gestalten und Diskussionen zu fokussieren.
Die Resonanz war überwiegend positiv und zeigt: Manchmal reicht es, Dinge einfach auszuprobieren.
04
Was hat dich motiviert, diesen Weg einzuschlagen?
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Welche Erfahrungen hast du im Kontext Gleichstellung gemacht?
Ursprünglich wollte ich mich habilitieren und hatte bereits ein Thema vorbereitet. Letztlich war es aber die fehlende Planbarkeit einer wissenschaftlichen Karriere, die mich ins Wissenschaftsmanagement geführt hat.
Die Wissenschaftlerin in mir ist jedoch geblieben. Ich übertrage meine wissenschaftlichen Standards auf meine Arbeit in Projekten mit einem hohen Anspruch an Qualität und Tiefe. Das fordert mein Umfeld manchmal heraus, führt aber häufig zu nachhaltigen Ergebnissen.
Trotz vieler Fortschritte bin ich wiederholt mit verschiedenen Formen von Sexismus konfrontiert worden – von Mansplaining bis hin zu Kommentaren über mein Aussehen oder das Infragestellen meiner Kompetenz.
Typisch ist auch, dass Ideen zunächst ignoriert und später von männlichen Kollegen aufgegriffen werden.
Zusätzlich entsteht oft ein Spannungsfeld: Einerseits muss man fachlich überzeugen, andererseits Zeit und Energie in Sichtbarkeit und Grenzsetzung investieren.
Ein Punkt, der mir besonders bewusst geworden ist: Gleichstellung scheitert selten an fehlendem Bewusstsein – sondern an fehlender Umsetzung.
05
Was hättest du dir als Berufseinsteigerin im öffentlichen Dienst gewünscht?
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Wie gehtst du damit um?
Ein strukturiertes Onboarding.
Ich wurde häufig ins kalte Wasser geworfen und musste mir vieles selbst erschließen. Heute achte ich in meinem Team bewusst darauf, dass neue Mitarbeitende einen guten Einstieg haben, mit Einarbeitungsplänen, Feedbackgesprächen und Raum zur Entwicklung.
Ich versuche, das Arbeitsumfeld so zu gestalten, wie ich es mir selbst gewünscht hätte: mit Freiräumen, Entwicklungsmöglichkeiten und einer offenen, reflexiven Zusammenarbeit.
Ich spreche Situationen an und nutze, wenn möglich, den Dialog.
Wichtig ist aus meiner Sicht:
- früh benennen, was passiert
- in Ich-Botschaften kommunizieren
- klare Grenzen setzen
Wenn kein Dialog möglich ist, hilft manchmal nur Distanz.
06
Wie bleibst du motiviert, wenn es zäh wird?
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Was muss sich deiner Meinung nach ändern, damit Gleichstellung im Amt Realität wird?
Wenn mich ein Thema interessiert, dann verfolge ich es konsequent. Ich hatte schon immer viel Energie und setze mir klare Ziele.
Als Erstakademikerin habe ich früh gelernt, mir Chancen selbst zu erarbeiten. Das hilft mir bis heute, auch in schwierigen Phasen dranzubleiben.
Gleichzeitig nutze ich herausfordernde Situationen zur Reflexion: Bin ich noch am richtigen Ort? Arbeite ich an den richtigen Themen? Wenn die Antwort ja ist, habe ich selten ein Motivationsproblem – im Gegenteil: Komplexe Herausforderungen motivieren mich.
- Mehr aktive männliche Unterstützer
- Gezielte Besetzung von Stellen mit Frauen
- Frühzeitige Förderung und Sichtbarkeit
- Konsequentes Benennen struktureller Probleme
- Echte Beteiligung an Entscheidungsmacht
Gleichstellung darf nicht die Aufgabe von Frauen allein sein. Sie ist ein gemeinsames, strukturelles Thema.
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Was möchtest du anderen Frauen im öffentlichen Sektor mitgeben?
Vernetzung, Sichtbarkeit und Standhaftigkeit sind entscheidend.
Wir sollten uns gegenseitig unterstützen, weiterempfehlen und gemeinsam wachsen. Viele Herausforderungen sind strukturell und lassen sich auch nur gemeinsam lösen.
Julias Perspektive zeigt, wie viel Potenzial im öffentlichen Sektor liegt und wie entscheidend es ist, Strukturen nicht nur zu hinterfragen, sondern aktiv zu gestalten.
Oder anders gesagt:
Wirksamkeit entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Dinge wirklich verstehen wollen.
Du kennst eine inspirierende Frau im öffentlichen Sektor?
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