Interview
01
Über Julia
02
Vorurteile & Realität
03
Möglichmacher*innen
04
Strukturwandel
05
Politik & Wirkung
06
Führung neu denken
07
Gleichstellung
08
Forderungen
09
Rat an andere Frauen
VORBILD
Julia Post
Mitglied des Bayerischen Landtags (Bündnis 90/Die Grünen)
- Bayern
- Politik
- Frauenpolitik, Öffentlicher Dienst

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“Die gläserne Decke wird von unten gebaut
Über Julia
„Wir hätten ja gerne eine Frau genommen, aber leider hat sich keine beworben.“ Ein Satz, der oft fällt und den Julia Post nicht mehr gelten lässt. Die Abgeordnete im Bayerischen Landtag und Sprecherin für Frauen und den Öffentlichen Dienst ist überzeugt: Dieses „Leider“ ist kein Zufall, sondern ein Strukturproblem.
Im Staats.FRAUEN Interview spricht sie darüber, warum sie ihre Vorurteile gegenüber der Verwaltung revidieren musste, warum wir Führung ohne Organigramm denken sollten und weshalb Frauen aufhören müssen, nur die fleißigen Bienen im Hintergrund zu sein.
Das vollständige Interview
01
Wer bist du und was machst du im öffentlichen Sektor?
05
Was muss sich ändern, damit diese Wirkung schneller eintritt?
Ich bin Julia, Mitglied des Bayerischen Landtags und setze mich für Frauenpolitik und den öffentlichen Dienst ein.
Ich komme ursprünglich aus der Wirtschaft und habe gelernt, wie stark politisches Handeln Strukturen verändern kann.
Wir brauchen mehr Projektteams und weniger starres Schielen auf das Organigramm oder formale Zuständigkeiten. Wirksam sein heißt für mich, nicht in der Problembeschreibung zu verharren, sondern Lösungen zu erarbeiten. Das passiert durch intensive Beziehungsarbeit, nicht durch Abarbeiten von Hierarchien.
02
Julia, du kommst ursprünglich aus der Wirtschaft. Hand aufs Herz: Welches Bild hattest du vom öffentlichen Dienst, bevor du selbst Teil davon wurdest?
06
Ein Zitat von dir hat uns besonders beschäftigt: „Die gläserne Decke entsteht nicht erst ganz oben.“ Was meinst du damit?
Um ehrlich zu sein: Ich hatte meine Vorurteile. Das Bild vom „bremsenden Beamten“ war auch in meinem Kopf. Aber als ich 2020 Stadträtin in München wurde, habe ich einen tiefen Einblick erhalten und wurde eines Besseren belehrt.
Wenn wir Gleichstellung wollen, schauen wir oft nur auf die Führungsebene. Aber der Nachwuchs muss dort gefördert werden, wo er entsteht – auf der untersten Ebene. Genau da entscheidet sich, wer ermutigt wird, Verantwortung zu übernehmen. Wenn wir das verpassen, fehlt uns oben die Auswahl.
03
Was hat dich am meisten überrascht?
07
Was rätst du Frauen, die im öffentlichen Sektor etwas bewegen wollen?
Die Menschen! Ich bin Persönlichkeiten begegnet, die mit unglaublich viel Anstand, Herzblut und Gestaltungswillen ihren Job machen. Ich nenne sie gerne „Möglichmacher*innen“. Es hängt oft sehr viel von Einzelnen ab, wie sehr Gestaltungsräume genutzt werden. Aber ich habe auch gelernt: Wenn Vorgesetzte keine Veränderung wollen, haben es diese Changemaker schwer.
Mein wichtigster Rat: Formuliert eure eigene Agenda! Macht euch klar, was ihr vorantreiben wollt. Das schützt davor, das „fleißige Orga-Bienchen“ zu werden, das nur noch dazu da ist, die Agenda von anderen zu erfüllen.
04
Du sagst, Politik ist ein mächtiger Hebel. Wo hast du das konkret erlebt?
08
Wenn du drei Dinge im System sofort ändern könntest, was wäre das?
Das fing vor zehn Jahren an. Mit einer ehrenamtlichen Initiative konnte ich erreichen, dass in den städtischen Kantinen Einwegbecher abgeschafft wurden. Später kamen Projekte wie der Münchner Bergbus, die Demo-Days für Start-ups oder die kommunale Zero-Waste-Strategie dazu. Das hat mir gezeigt: Unser Handeln wirkt. Staatliches Handeln kann Strukturen verändern.
- Hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte ab 20.000 Einwohner*innen – mit echtem Mitspracherecht bei Personalentscheidungen.
- Zielvorgaben für alle Ebenen: Gleichstellung endet nicht an der Tür zum Büro des Chefs oder der Chefin.
- Führung neu denken: Teilzeitmodelle auch für Führungskräfte möglich machen und Kinderbetreuung massiv ausbauen.
09
Was möchtest du anderen Frauen im öffentlichen Sektor mitgeben?
Trau dich, unbequem zu sein.
Such dir Verbündete und sei selbst eine.
Veränderung braucht einen langen Atem. Julia Posts Weg zeigt: Es lohnt sich, zäh zu bleiben. Wenn wir aufhören, macht das nichts besser. Also: Raus aus dem Organigramm-Denken, rein ins Netzwerk!
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