Interview
01
Über Viola
02
Vorbilder & Schlüsselmomente
03
Überraschungen
04
Motivation
05
Berufseinstieg
06
Herausforderungen
07
Meilenstein
08
Tag für Tag
09
Gleichstellung
10
Rat an andere Frauen
VORBILD
Viola Borsche
Senior Assistenz der Geschäftsführung bei der byte - Bayerische Agentur für Digitales
- Bayern
- Landesebene
- Führungsunterstützung

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“ Traut euch, unbequem zu sein!
Veränderung entsteht nicht durch Angepasstheit.
Über Viola
In dieser Ausgabe von Staats.FRAUEN sprechen wir mit Viola Borsche, Senior Assistenz der Geschäftsführung bei der byte.
Ihr Weg in den öffentlichen Dienst war ursprünglich Zufall und wurde zu einer bewussten Entscheidung.
Viola steht für eine neue Generation von Frauen im öffentlichen Sektor, die zeigen, dass Verantwortung, Effizienz und Empathie keine Gegensätze sind.
Das vollständige Interview
01
Wer bist du und was machst du im öffentlichen Sektor?
07
Was war bisher dein größter beruflicher Meilenstein?
Ich bin Viola Borsche, Senior Assistenz der Geschäftsführung bei der byte.
In meiner Rolle manövriere ich die zweiköpfige Geschäftsführung effizient und strategisch durch ihren Alltag. Ich halte Strukturen zusammen, setze Prioritäten, sorge für reibungslose Abläufe und koordiniere die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung, Fachbereichen und externen Partnern. Mein beruflicher Weg vereint Privatwirtschaft, öffentlichen Sektor und Selbständigkeit – ein Erfahrungsschatz, der meinen Blick auf Veränderung nachhaltig geprägt hat.
Effizienz und die Bereitschaft, Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren, prägen meine Arbeitsweise – Eigenschaften, die im Verwaltungsumfeld nicht immer positiv aufgenommen wurden. Das hat mich bestärkt, berufsbegleitend Management und Digitalisierung zu studieren und den öffentlichen Sektor zu verlassen, um zurück in die Privatwirtschaft zu gehen, in ein Umfeld, das genau diese Arbeitsweise als Stärke versteht. Nach vielen Jahren im öffentlichen Dienst fällt es allerdings nicht leicht, diesen geschützten Rahmen wieder zu verlassen.
Ich arbeitete in einem Unternehmen mit Schwerpunkt auf Organisationsentwicklung und -kultur. In dieser Zeit habe ich intensiv reflektiert, wie sich Strukturen, Arbeitsweisen und Kulturen zwischen Privatwirtschaft und öffentlichem Sektor unterscheiden – und welche Ansätze sich übertragen lassen.
Gestärkt mit Wissen und frischem Blick auf die Verwaltung bin ich zurückgekehrt, zur Bayerischen Digitalagentur. Und hier schließt sich ein Kreis, denn ich arbeite nun in einer Organisation, die genau die Themen vorantreibt, die mich schon damals bewegt haben – Digitalisierung, Effizienz und eine moderne Verwaltungskultur.
02
Gab es ein Vorbild oder einen Schlüsselmoment, der dich geprägt hat?
08
Was bedeutet für dich „wirksam sein“ im öffentlichen Dienst?
Mehrere…
In der öffentlichen Verwaltung zu arbeiten, bedeutet für viele Menschen Stabilität, Struktur und Verlässlichkeit. Diese Werte führen oft dazu, dass Veränderung als Bedrohung empfunden wird. Wer Sicherheit sucht, meidet Unsicherheit und damit eben auch Veränderung. Mit der Zeit prägt dieses Umfeld auch die eigene Haltung gegenüber Veränderung.
Auch aufgefallen ist mir, dass Frauen in Führungsrollen häufig unter besonderer Beobachtung stehen und kritisiert werden: für ihr Auftreten, ihre Kleidung, ihr Makeup oder Eigenschaften, die bei männlichen Kollegen positiv wahrgenommen werden, wie Geradlinigkeit und Durchsetzungsfähigkeit. Das hat mir gezeigt, wie tief verankert unbewusste Erwartungen an weibliche Führung in der Verwaltung sind und welche Botschaft sie vermitteln: „Sein unauffällig, um akzeptiert zu werden.“ Ich bin wirklich dankbar, Frauen kennengelernt zu haben, die sich davon nicht haben verunsichern lassen und trotzdem ihren Weg gegangen sind. An ihnen habe ich mich orientiert, das waren für mich absolute Vorbilder.
Wirksamkeit bedeutet für mich, Strukturen so zu gestalten, dass sie die Arbeit für alle Beteiligten erleichtern, nicht nur im Hier und Jetzt, sondern langfristig.
Dabei geht es mir darum, einen echten Mehrwert zu schaffen und diesen auch verständlich zu machen: zu zeigen, warum eine Veränderung sinnvoll ist und wie sie den Arbeitsalltag verbessert.
Menschen mitzunehmen und zu motivieren, dass eine Veränderung nicht bedrohlich, sondern bereichernd sein kann, das ist für mich gelebte Wirksamkeit.
03
Was war die größte Überraschung (positiv oder negativ), die du im öffentlichen Sektor erlebt hast?
09
Wo hast du konkret Veränderung angestoßen oder erlebt (auch im Kleinen)?
Nach meiner Wiederkehr hat mich überrascht, wie groß die kulturelle Spannbreite innerhalb des öffentlichen Sektors sein kann.
In traditionellen Strukturen dominieren Hierarchie und Formalität – oft auf Kosten von Effizienz und Motivation. Ich hatte häufig das Gefühl, dass langfristige Zusammenarbeit gar nicht angestrebt wird. Personal wird verwaltet, offene Stellen werden lediglich nachbesetzt, anstatt Menschen zu fördern oder an die Organisation zu binden.
Hochmotivierte Mitarbeitende, die etwas bewegen wollen, werden nicht gehalten, wenn sie gehen, wird das hingenommen.
Im Gegensatz dazu erlebe ich heute, wie moderne Verwaltung funktionieren kann: effizient, lösungsorientiert und auf Augenhöhe. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass Wandel in der Verwaltung möglich ist, wenn Haltung, Vertrauen und Gestaltungsspielräume zusammenkommen.
Im Laufe der Zeit habe ich häufig versucht, Veränderungen anzustoßen oder auf Möglichkeiten hinzuweisen, Dinge effizienter und moderner zu gestalten. Wenn ich Potenzial für Verbesserung sehe, spreche ich es auch an. Dabei bin ich meist auf Widerstände gestoßen.
Im Kleinen bin ich stolz darauf, dass ich in einem ursprünglich sehr papierlastigen Arbeitsumfeld die internen Prozesse soweit digitalisieren konnte, dass der Papierverbrauch im Team auf ein Minimum reduziert wurde.
04
Was hat dich motiviert, diesen Weg einzuschlagen?
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Erzähl uns von einem Moment, in dem dir das Frausein die Arbeit schwerer gemacht hat. Welche unbewussten Vorurteile begegnen dir im beruflichen Alltag und wie gehst du damit um?
Mein Einstieg in den öffentlichen Dienst war eher Zufall.
Ich war Anfang 30, also im gebärfähigen Alter und somit uninteressant für den deutschen Arbeitsmarkt. Nach einer intensiven und frustrierenden Phase der Jobsuche stand ich (bereits mit einem Arbeitsvisum in der Hand) kurz davor mein Glück in Kanada zu versuchen, als ich mich – eher aus Verzweiflung – auf eine Stelle im öffentlichen Dienst bewarb. Zu meiner Überraschung erhielt ich die Zusage und blieb.
Obwohl die Position für mich zunächst einen beruflichen Rückschritt bedeutete, hat sie sich im Rückblick als wegweisend für meine Entwicklung erwiesen
Gerade im öffentlichen Dienst wird die Rolle der Assistenz häufig unterschätzt – bzw. existiert so gar nicht.
Bezeichnungen wie „Vorzimmer“ oder früher auch „Schreibdienst“ stehen sinnbildlich für ein überholtes weibliches Rollenverständnis und zeigt wie Sprache Menschen unsichtbar macht. Die Person dahinter und ihre fachlichen Kompetenzen werden einfach ausgeblendet.
Dadurch wird man leicht übergangen oder in seiner Wirkung begrenzt.
Ich begegne solchen Situationen mit Klarheit und Selbstbewusstsein, indem ich meine Aufgaben auf hohem fachlichem Niveau erfülle, Verantwortung übernehme und Grenzen deutlich mache.
Eine moderne Assistenz ist längst mehr als ein organisatorisches Anhängsel. Sie ist eine gestaltende, koordinierende und strategische Rolle, die wesentlich zum Erfolg im Team und der Organisation beiträgt, wenn man sie denn lässt.
05
Was hättest du dir als Berufseinsteigerin im öffentlichen Dienst gewünscht?
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Wenn du eine Regel im öffentlichen Dienst ändern könntest - welche wäre das?
Zum Einstieg hätte ich mir vielleicht eine Art „How-to-Verwaltung“-Leitfaden gewünscht.
Meine Art, Abläufe effizienter und moderner zu gestalten, wurde eher negativ bewertet und als Ungeduld interpretiert. Aus der Privatwirtschaft kommend, habe ich anfangs nicht verstanden, warum effizientes Arbeiten in der Verwaltung nicht denselben Stellenwert haben sollte. Statt Anerkennung erhielt ich den Hinweis, weniger schnell zu arbeiten und mich stärker an bestehende Strukturen zu halten.
Das war für meine Motivation ein ganz schöner Dämpfer und hat mir früh gezeigt, dass Veränderungsbereitschaft in der Verwaltung Mut und Geduld zugleich erfordert und nicht alles, was schneller oder besser geht, in der Verwaltung automatisch willkommen ist.
Ich würde das Beamtentum grundlegend modernisieren.
Der öffentliche Dienst sollte stärker auf Leistung, Verantwortung und Weiterentwicklung setzen und weniger auf Status.
Nur so kann Verwaltung zukunftsfähig und attraktiv bleiben.
Hochqualifizierte und engagierte Angestellte brauchen vergleichbare Karrierewege, um langfristig motiviert zu bleiben und ihr Potenzial einzubringen.
Und ich habe sehr viele hochmotivierte und qualifizierte Angestellte in der Verwaltung kennengelernt und viele davon leider auch gehen sehen.
06
Wie bleibst du motiviert, wenn es zäh wird?
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Was muss sich deiner Meinung nach ändern, damit Gleichstellung im Amt Realität wird?
- Ich plane meinen nächsten Urlaub.
- Die Zusammenarbeit mit intrinsisch motivierten Menschen. Der Austausch erinnert mich daran, dass wir alle am selben Ziel arbeiten.
Echte Gleichstellung im öffentlichen Dienst erfordert Mut zur Veränderung; Mut, Missstände anzusprechen, seine Meinung zu vertreten, und das auf allen Ebenen.
Noch immer hängt der berufliche Aufstieg oft von individuellen Durchsetzungskräften ab, statt von gleichen Rahmenbedingungen.
Frauen, die Hürden überwunden haben, sollten ihre Erfahrungen nutzen, um Strukturen zu öffnen, anstatt sie zu verteidigen.
Zugleich ist Gleichstellung selbst ein Indikator für Modernisierungsfähigkeit:
Wer offen für Gleichberechtigung ist, ist auch offen für Wandel.
Organisationen, die Vielfalt leben und Verantwortung gerecht verteilen, fördern automatisch Offenheit für Digitalisierung, moderne Arbeitsformen und eine zukunftsfähige Verwaltung.
13
Was möchtest du anderen Frauen im öffentlichen Sektor mitgeben?
Traut euch, unbequem zu sein! Veränderung entsteht nicht aus Angepasstheit.
Sprecht Dinge an, auch wenn sie nicht jedem gefallen.
Veränderung braucht Menschen, die Haltung zeigen, Verantwortung übernehmen und andere mitnehmen.
Vernetzung und gegenseitige Unterstützung sind dabei entscheidend:
Wir müssen uns nicht gegeneinander behaupten, sondern füreinander stark machen.
Übernehmt Verantwortung für die Zukunft und fragt euch:
Welche Arbeitswelt wünscht ihr euch für eure Töchter, Nichten oder Enkelinnen?
Handelt heute so, wie ihr euch diese Zukunft wünscht.
(Und das gilt nicht nur in der Verwaltung.)
Viola Borsche zeigt, dass Wandel in der Verwaltung kein Widerspruch zur Struktur ist, sondern das Ergebnis von Haltung, Mut und kontinuierlicher Reflexion.
Ihre Geschichte ist eine Einladung, Wirksamkeit neu zu denken und Verwaltung als Gestaltungsraum zu begreifen.
Du kennst eine inspirierende Frau im öffentlichen Sektor?
Empfiehl Sie für unsere Portrait-Reihe und mach ihre Geschichte sichtbar.
